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YouTube-Kanal gehackt: die ersten Schritte

YouTube-Kanäle werden heute nur selten durch Erraten des Passworts gehackt. Die häufigste Methode ist Schadsoftware, die das Anmelde-Cookie vom Computer stiehlt, sodass der Angreifer ohne Passwort und Bestätigungscode hineinkommt. Der Kanal wird danach umbenannt und für Werbung für Kryptowährungsbetrug genutzt. Da der Kanal zum Google-Konto gehört, beginnt auch die Wiederherstellung dort; der infizierte Computer muss aber ebenfalls bereinigt werden, sonst kommt der Angreifer zurück.

In diesem Artikel
  1. Anzeichen für einen gehackten Kanal
  2. Wie funktioniert der Cookie-Diebstahl?
  3. Die Schritte in der richtigen Reihenfolge
  4. Wenn YouTube den Kanal gesperrt oder gelöscht hat
  5. Schutz vor dem nächsten Angriff
  6. Wenn es nicht klappt

Anzeichen für einen gehackten Kanal

  • Name, Profilbild oder Alias (@handle) des Kanals haben sich geändert, oft in den Namen eines bekannten Unternehmens oder einer Kryptowährung.
  • Auf dem Kanal läuft ein unbekannter Livestream, der mit dem Bild einer berühmten Person (oft mit künstlicher Intelligenz gefälscht) für eine „Investition“ oder „Geldverdopplung“ wirbt.
  • Alte Videos sind verschwunden oder wurden auf privat gestellt.
  • Unter den Personen mit Zugriff auf den Kanal ist eine unbekannte Person aufgetaucht, oder eine E-Mail meldet eine Änderung von Berechtigungen, Name, Alias oder Zahlungsdaten.
  • Google hat eine Sicherheitswarnung zu einer Anmeldung von einem unbekannten Gerät geschickt, oder Zuschauer melden, dass auf dem Kanal seltsame Dinge passieren.

Die Angreifer schicken dem Creator meist eine als Sponsoring-Angebot getarnte E-Mail und hängen einen „Vertrag“, ein „Vorschauvideo“ oder ein „zu testendes Programm“ an, oft in einer passwortgeschützten komprimierten Datei, damit der Virenscanner sie nicht prüft. Beim Öffnen der Datei installiert sich eine Infostealer-Schadsoftware, die gespeicherte Passwörter und Anmelde-Cookies aus dem Browser kopiert. Das Cookie bestätigt eine bereits erfolgte Anmeldung, deshalb hält auch die Bestätigung in zwei Schritten den Angreifer nicht auf. Eine Passwortänderung allein reicht daher nicht: Alle Sitzungen müssen beendet und die Schadsoftware entfernt werden. Zu den typischen Betrugsmustern: Betrug auf YouTube: falsche Sponsorings, Gewinnspiel-Kommentare, Krypto-Livestreams.

Ein Cookie-Symbol, in dem ein Haken steckt, daneben ein Laptop mit Wiedergabeschaltfläche
Die Infostealer-Schadsoftware stiehlt das Anmelde-Cookie, damit kommt der Angreifer auch ohne Passwort hinein.

Die Schritte in der richtigen Reihenfolge

  1. Sauberes Gerät: Alle Schritte von einem anderen, sicher nicht infizierten Gerät aus erledigen, zum Beispiel vom Smartphone.
  2. Google-Konto: Ein neues, nirgendwo sonst genutztes Passwort festlegen, unbekannte Geräte abmelden und die Wiederherstellungsdaten sowie die Bestätigung in zwei Schritten durchsehen. Die ausführlichen Schritte: Google-Konto gehackt: die ersten Schritte. Funktioniert die Anmeldung nicht mehr: Ich komme nicht in mein Google-Konto: So läuft die Kontowiederherstellung.
  3. Infizierter Computer: Mit dem Virenscanner einen vollständigen Scan durchführen, verdächtige Downloads und unbekannte Browsererweiterungen löschen. Lässt sich die Schadsoftware nicht sicher entfernen, ist die Neuinstallation des Betriebssystems die sichere Lösung. Alle auf dem Computer gespeicherten Passwörter ändern.
  4. Kanal: In YouTube Studio unter „Einstellungen“ > „Berechtigungen“ fremde Personen entfernen, unter „Anpassung“ Name, Profilbild, Alias, Beschreibung und Links wiederherstellen und unter „Inhalte“ die Videos und Livestreams des Angreifers löschen sowie auf privat gestellte Videos wieder öffentlich machen. Bei monetarisierten Kanälen auch die Zahlungsdaten prüfen.
  5. Hilfe: Die YouTube-Hilfe zu gehackten Kanälen führt mit Fragen durch die Wiederherstellung. Kanäle im YouTube-Partnerprogramm können sich nach der Wiederherstellung des Kontos auch an den Creator-Support wenden.
Gehackten Kanal zurückholen
  1. Sauberes Gerät
  2. Google-Konto sichern
  3. Infizierten Computer bereinigen
  4. Kanal wiederherstellen
  5. Hilfe oder Support

Wenn YouTube den Kanal gesperrt oder gelöscht hat

Einen für Betrug genutzten Kanal sperrt YouTube oft schnell, und gelöschte Videos lassen sich in Studio nicht von selbst zurückholen. Dann lohnt es sich nicht, einen neuen Kanal zu eröffnen: Zuerst das Google-Konto zurückholen und dann wie in der Hilfe beschrieben melden, dass der Kanal gehackt wurde. YouTube kann in diesem Fall auch helfen, den Zustand vor dem Hack wiederherzustellen, das ist aber nicht garantiert. Deshalb empfiehlt sich eine eigene Sicherung der eigenen Videos.

Schutz vor dem nächsten Angriff

  • Zu einem Sponsoring-Angebot geschickte Dateien nicht öffnen, besonders keine ausführbaren Programme oder passwortgeschützten komprimierten Dateien. Echte Unternehmen schicken Verträge als im Browser zu öffnendes Dokument oder über einen Signaturdienst.
  • Mit einem Passkey oder einem Sicherheitsschlüssel sind gefälschte Anmeldeseiten wirkungslos: Passkey (Anmeldung ohne Passwort) im Google-Konto.
  • Den Kanal am besten in einem Brand-Konto führen und Mitarbeitern in Studio eine Rolle geben, statt das Passwort zu teilen. Die Liste unter „Berechtigungen“ regelmäßig durchsehen.
  • Unbekannte Browsererweiterungen und gecrackte „kostenlose“ Programme meiden; für die Kanalverwaltung ein eigenes Browserprofil nutzen.

Wenn es nicht klappt

Ich hatte die Bestätigung in zwei Schritten aktiviert – wie konnte der Kanal gehackt werden?

Das gestohlene Anmelde-Cookie bestätigt eine bereits erfolgte Anmeldung, deshalb muss der Angreifer keinen Code eingeben. Erst das Beenden der Sitzungen und das Entfernen der Schadsoftware beenden seinen Zugriff.

Gehen durch den Hack Abonnenten verloren?

In der Regel nicht, denn die Abonnenten gehören zum Kanal, nicht zum Namen. Hat YouTube den Kanal gesperrt, kommen die Abonnenten nach der Wiederherstellung zurück.

Was können Zuschauer tun, wenn sie auf einem bekannten Kanal einen Krypto-Livestream sehen?

Den Stream über das Menü neben dem Video melden und keinen QR-Code und keine Wallet-Adresse verwenden. Es ist sinnvoll, den Kanalinhaber auch auf einem anderen Weg (zum Beispiel per E-Mail) zu informieren.

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