E-Mail · 5 Min. Lesezeit

Gmail-Konto gehackt: die ersten Schritte

Meldet Google eine ungewöhnliche Anmeldung, erhalten Bekannte merkwürdige E-Mails von der Adresse oder verschwinden E-Mails, hat wahrscheinlich jemand Unbefugtes Zugriff auf das Konto. Dann kommt es auf die Reihenfolge an: zuerst die Kontrolle zurückgewinnen, dann den Eindringling aussperren und schließlich nachsehen, was er in den Gmail-Einstellungen hinterlassen hat.

In diesem Artikel
  1. Anzeichen für ein gehacktes Konto
  2. 1. Die Kontrolle zurückgewinnen
  3. 2. Den Eindringling aussperren
  4. 3. Wiederherstellungsdaten prüfen
  5. 4. Gmail-Einstellungen: was der Eindringling hinterlassen haben könnte
  6. 5. Schutz für die Zukunft
  7. Wenn es nicht klappt

Anzeichen für ein gehacktes Konto

  • Eine Sicherheitsbenachrichtigung über eine Anmeldung von einem unbekannten Gerät oder aus einem unbekannten Land ist eingegangen.
  • Bekannte erhalten von der Adresse E-Mails (zum Beispiel Bitten um Geld, Links, „bitte schnell helfen“), die der Inhaber nicht verschickt hat.
  • Im Ordner „Gesendet“ liegen unbekannte E-Mails, oder E-Mails sind von dort verschwunden.
  • Bestimmte E-Mails (Bank, Onlineshop, Passwort-Zurücksetzung) erscheinen nicht, obwohl der Absender sie verschickt hat.
  • Passwort, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zur Wiederherstellung oder der im Konto angezeigte Name wurden geändert.
  • Auf der Seite des Google-Kontos steht unter den letzten sicherheitsrelevanten Aktivitäten ein unbekanntes Ereignis.
Reihenfolge der Schritte
  1. Gerät ohne Schadsoftware
  2. Anmeldung oder Wiederherstellung
  3. Neues Passwort
  4. Unbekannte Geräte abmelden
  5. Wiederherstellungsdaten korrigieren
  6. Gmail-Einstellungen durchsehen
  7. Bestätigung in zwei Schritten

1. Die Kontrolle zurückgewinnen

Funktioniert die Anmeldung noch, das Passwort sofort auf myaccount.google.com/security ändern. Hat der Eindringling Passwort oder Wiederherstellungsdaten bereits ausgetauscht, auf accounts.google.com/signin/recovery beginnen und die Fragen von einem gewohnten Gerät aus so genau wie möglich beantworten. Einzelheiten zur Wiederherstellung: Gmail-Passwort vergessen: So lässt es sich zurücksetzen.

  1. Könnte der Computer oder das Smartphone infiziert sein (zum Beispiel nach einem heruntergeladenen Programm oder Anhang), zuerst einen Virenscan durchführen oder an einem anderen, vertrauenswürdigen Gerät arbeiten. Eine Spyware kann auch das neue Passwort stehlen.
  2. Ein neues Passwort wählen, das lang ist und auf keiner anderen Website vorkommt. Wurde das alte Passwort auch anderswo verwendet, dort ebenfalls ändern, zuerst bei der Bank und bei den Diensten, die E-Mails zum Zurücksetzen des Passworts an die Gmail-Adresse schicken.
  3. Laut Google-Hilfe im Bereich der letzten sicherheitsrelevanten Aktivitäten „Sicherheitsereignisse prüfen“ wählen. Bei einem unbekannten Ereignis führt Google über die Schaltfläche „Nein, das war ich nicht“ durch die Absicherung des Kontos.
Die Seite „Kontowiederherstellung“ des Google-Kontos mit Eingabefeld und der Schaltfläche „Weiter“
Startseite der Kontowiederherstellung: Feld für die E-Mail-Adresse und die Schaltfläche „Weiter“.

2. Den Eindringling aussperren

  1. Im Bereich „Sicherheit“ des Google-Kontos unter „Meine Geräte“ die Option „Geräte verwalten“ wählen. Jedes unbekannte Gerät abmelden; ist nicht eindeutig, welches Gerät fremd ist, am besten alle abmelden und sich danach auf den eigenen wieder anmelden.
  2. Auf myaccount.google.com/connections die externen Apps und Dienste mit Zugriff auf das Konto durchsehen und entfernen, was unbekannt ist oder nicht mehr genutzt wird.
  3. Ist die Bestätigung in zwei Schritten aktiviert, auch die Liste der App-Passwörter prüfen. Diese widerruft Google bei einer Passwortänderung; zeigt die Liste danach aber einen unbekannten Eintrag, ihn löschen.
  4. Wurde dem Konto ein unbekannter Passkey oder Sicherheitsschlüssel hinzugefügt, ihn bei den Anmeldemethoden ebenfalls entfernen.

3. Wiederherstellungsdaten prüfen

Eindringlinge hinterlegen oft eine eigene Telefonnummer oder E-Mail-Adresse als Wiederherstellungsdaten, um später zurückkehren zu können. Auf myaccount.google.com/security die Telefonnummer und E-Mail-Adresse zur Wiederherstellung sowie – falls die Funktion verfügbar ist – die Kontakte zur Kontowiederherstellung prüfen. Alle fremden Angaben löschen und die eigenen korrigieren. Bei der Bestätigung in zwei Schritten auch die als zweiter Schritt hinterlegten Telefonnummern durchsehen, und am besten neue Back-up-Codes erstellen, denn das macht die alten ungültig.

4. Gmail-Einstellungen: was der Eindringling hinterlassen haben könnte

Laut Google-Hilfe müssen bei einem gehackten Konto die Gmail-Einstellungen eigens geprüft werden, denn mit ihnen kann der Eindringling auch nach der Passwortänderung E-Mails erhalten oder seine Spuren verwischen. Die Einstellungen sind am Computer über das Zahnrad und dann „Alle Einstellungen aufrufen“ erreichbar.

  • Weiterleitung: Auf dem Tab „Weiterleitung & POP/IMAP“ darf keine unbekannte Weiterleitungsadresse stehen. Falls doch, deaktivieren und löschen.
  • POP- und IMAP-Zugriff: Auf demselben Tab ist zu sehen, ob das Herunterladen der E-Mails in andere Programme erlaubt ist. Nutzt der Inhaber kein E-Mail-Programm, lässt es sich ausschalten.
  • Filter: Auf dem Tab „Filter und blockierte Adressen“ nach Filtern suchen, die E-Mails löschen, archivieren, als gelesen markieren oder weiterleiten, zum Beispiel bei Benachrichtigungen der Bank oder von Google. Unbekannte Filter löschen.
  • Blockierte Adressen: Hier ist auch zu sehen, ob der Eindringling einen Absender (zum Beispiel die Bank) blockiert hat, damit dessen E-Mails nicht ankommen.
  • Zugriffsberechtigung: Auf dem Tab „Konten und Import“ prüfen, ob einer Person Zugriff auf das Konto gewährt wurde. Dort sind auch der Absendername und weitere Absenderadressen zu sehen.
  • Automatische Antwort und Signatur: Auf dem Tab „Allgemein“ darf keine unbekannte automatische Antwort und keine Signatur mit Links oder fremden Kontaktdaten stehen.
  • Geplante E-Mails und Labels: Im Ordner „Geplant“ darf keine E-Mail liegen, die der Inhaber nicht geschrieben hat.

5. Schutz für die Zukunft

  • Die Bestätigung in zwei Schritten aktivieren und am besten einen Passkey erstellen: Dagegen sind gefälschte Anmeldeseiten machtlos. Mehr dazu: Bei Gmail anmelden: Passwort, Passkey und Bestätigung auf dem Smartphone.
  • Die Seite Sicherheitscheck geht die Schwachstellen des Kontos der Reihe nach durch und macht Vorschläge zur Behebung.
  • Hat der Eindringling im Namen des Kontos um Geld gebeten oder Links verschickt, die Bekannten warnen, nicht zu antworten und den Link nicht zu öffnen.
  • Lagen im Konto Bankkartendaten, persönliche Dokumente oder wichtige Dateien (zum Beispiel in Google Drive), auch die Bank informieren und die Freigaben in Drive und Google Fotos prüfen.
  • Bei finanziellem Schaden oder Identitätsmissbrauch kann man sich an die örtliche Polizei wenden; dafür am besten Screenshots der verdächtigen Ereignisse speichern.
  • Die meisten Kontoübernahmen beginnen mit einer Phishing-E-Mail. So lassen sich die Anzeichen erkennen: Häufige Betrugs-E-Mails in Gmail und wie sie sich erkennen lassen.

Wenn es nicht klappt

Woran ist zu erkennen, wer sich von wo im Konto angemeldet hat?

Im Bereich „Sicherheit“ des Google-Kontos zeigen die letzten sicherheitsrelevanten Aktivitäten und die Liste „Meine Geräte“ Gerätetyp, Anmeldezeit und ungefähren Ort. Der Link „Details“ unten in Gmail zeigt außerdem die letzten Kontoaktivitäten.

Reicht es, nur das Passwort zu ändern?

Nicht immer. Auch nach der Passwortänderung kann eine vom Eindringling eingerichtete Weiterleitung, ein Filter oder eine Zugriffsberechtigung weiter funktionieren, und mit fremden Wiederherstellungsdaten lässt sich das Konto erneut übernehmen. Deshalb alle oben genannten Schritte durchgehen.

Lassen sich vom Eindringling gelöschte E-Mails zurückholen?

Gelöschte E-Mails bleiben 30 Tage im Ordner „Papierkorb“ und lassen sich von dort wiederherstellen. Wurde auch der „Papierkorb“ geleert, lässt sich laut Google-Hilfe nur in begrenzten Fällen Hilfe anfordern, eine Garantie gibt es nicht.

Warum erhalten Bekannte Spam von meiner Adresse, obwohl mit dem Konto alles in Ordnung ist?

Die Absenderadresse lässt sich fälschen: Die E-Mail kommt dann nicht aus dem Gmail-Konto, sie imitiert nur Absendername und Adresse. Liegen im Ordner „Gesendet“ keine solchen E-Mails und sind die Sicherheitsaktivitäten unauffällig, ist wahrscheinlich das passiert. Die Empfänger sollten die E-Mail als Spam melden.

Kann Google telefonisch helfen, ein gehacktes Konto zurückzuholen?

Nein, Google bietet keine telefonische Kontowiederherstellung an. Wer sich am Telefon als „Google-Mitarbeiter“ ausgibt und nach einem Code oder Passwort fragt, ist ein Betrüger.

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